Die fünf Gefahren einer iranischen Niederlage

So unpassend sie auch erscheinen mag, stellen wir uns die Frage: Welche Niederlage sollten wir uns wünschen? Die des iranischen Regimes oder die Donald Trumps?

Die Islamische Republik hat so viele Opfer gefordert, so viele Subunternehmer des Terrors geschaffen, um den gesamten Nahen Osten zu destabilisieren und überall zuzuschlagen, ist so beharrlich auf die Atomwaffe zugesteuert, hat ihr eigenes Land so sehr ruiniert und es so gut verstanden, sich bei ihrem Volk verhasst zu machen, dass man sich selbstverständlich nur ihren Sturz wünschen kann.

Je früher, desto besser. Und doch gäbe es nicht nur Grund zur Freude, wenn Donald Trump sich schon bald rühmen könnte, diese Diktatur zu Fall gebracht zu haben, indem er ihr den Krieg erklärte.

Obwohl er in den Umfragen derzeit an Boden verliert, würde dieser Präsident seine Mehrheit im Senat behalten und vielleicht sogar in beiden Kammern. Keineswegs ausgeschlossen, würde sein Sieg die Demokraten zum Schweigen bringen, ebenso all jene unter seinen Anhängern, die ihm vorwerfen, Amerika in ein neues militärisches Abenteuer gestürzt zu haben. Sie sehen doch, würde er sagen, dass die Bewährungsprobe am Ende gar nicht so lange gedauert hat und dass sie sich gelohnt hat. Sie sehen doch, dass ich gegen alle recht behalten habe, würde er einhämmern, und zugleich würden, lange vor November, lange bevor die Wähler zu den Zwischenwahlen an die Urnen treten, die Preise an der Zapfsäule sinken, und die wirtschaftliche Verunsicherung würde in den Vereinigten Staaten wie im Rest der Welt zurückgehen.

Donald Trump würde wieder die Oberhand gewinnen und, innenpolitisch gestärkt, an mindestens fünf Fronten zur Offensive übergehen.

Wie im vergangenen Sommer würde er versuchen, die Ukrainer zu zwingen, jene Teile des Donbass an die Russen abzutreten, die diese beanspruchen, aber mit Waffengewalt nicht zu erobern vermochten. Donald Trump würde sich nicht in den Dienst des Friedens stellen, indem er den Abschluss eines Waffenstillstands entlang der Frontlinien erleichterte. Er würde den Ukrainern drohen, sie von den amerikanischen Geheimdienstinformationen abzuschneiden, um ihnen die Kapitulation aufzuzwingen, die der Kreml verlangt.

In dem, was zu einer Allianz würde, die uns Europäer in die Zange nähme, würde er so weitere Schritte auf den Kreml zugehen, weil er der Auffassung ist, die Union sei dazu geschaffen worden, wie er sagt, „die Vereinigten Staaten zu bescheißen“, und weil es seine fixe Idee ist, sie zu zerschlagen, indem er sie gegenüber Putin schwächt. Der eine sieht in der Union einen wirtschaftlichen und politischen Konkurrenten, den er nicht erstarken lassen darf. Der andere sieht in ihr ein Hindernis für die Wiederherstellung des Zarenreichs. Für beide muss die Ukraine diesen Krieg verlieren, damit die Vereinigten Staaten und Russland Europa unter sich in Einflusszonen aufteilen können.

Die zweite Front, die Donald Trump alsbald wieder eröffnen würde, wäre Grönland, dessen Annexion er keineswegs aufgegeben hat.

Seine bereits jetzt wiederaufgenommene dritte Front wäre die des Handelskriegs, den er gegen die Union führt, denn Europa soll in seinen Augen ein zersplitterter Markt sein und kein politischer Partner, mit dem man auf Augenhöhe verhandelt.

Viertens würde Donald Trump noch verbissener daran arbeiten, das Atlantische Bündnis zu zerstören, indem er es unglaubwürdig macht, um es Russland zu ermöglichen, seinen Druck auf Europa zu verstärken.

Was die fünfte Front betrifft, in die er sich hemmungslos stürzen würde, so wäre es jene der Gegengewalten der amerikanischen Demokratie, Presse und Justiz, die er mit noch größerer Wucht angreifen würde.

Herausforderungen für Europa und ein Rückschritt der amerikanischen Demokratie: Kurzum, von einem Sieg Donald Trumps im Iran wäre viel zu befürchten. Die Niederlage dieses Regimes ist nichtsdestoweniger lebenswichtig für 90 Millionen Iraner, für die nukleare Nichtverbreitung und für die Stabilität einer entscheidenden Region. Für uns Europäer kann es daher nicht darum gehen, Zuschauer zu bleiben. Es geht darum, uns auf die eine wie auf die andere dieser beiden Möglichkeiten vorzubereiten und dafür unsere Verteidigungsmittel weitaus schneller auszubauen, als wir es derzeit tun, unsere Bündnisse auf den fünf Kontinenten zu vervielfachen und uns endlich als politische Macht zu behaupten. Die Zeit drängt.

Bild: Niederlage des römischen Kaisers Valerian gegen den persischen König Schapur. Um 260 n. Chr. (Cabinet des Médailles, Bibliothèque nationale, Paris)

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Die fünf Gefahren einer iranischen Niederlage

So unpassend sie auch erscheinen mag, stellen wir uns die Frage: Welche Niederlage sollten wir uns wünschen? Die des iranischen Regimes oder die Donald Trumps?

Die Islamische Republik hat so viele Opfer gefordert, so viele Subunternehmer des Terrors geschaffen, um den gesamten Nahen Osten zu destabilisieren und überall zuzuschlagen, ist so beharrlich auf die Atomwaffe zugesteuert, hat ihr eigenes Land so sehr ruiniert und es so gut verstanden, sich bei ihrem Volk verhasst zu machen, dass man sich selbstverständlich nur ihren Sturz wünschen kann.

Je früher, desto besser. Und doch gäbe es nicht nur Grund zur Freude, wenn Donald Trump sich schon bald rühmen könnte, diese Diktatur zu Fall gebracht zu haben, indem er ihr den Krieg erklärte.

Obwohl er in den Umfragen derzeit an Boden verliert, würde dieser Präsident seine Mehrheit im Senat behalten und vielleicht sogar in beiden Kammern. Keineswegs ausgeschlossen, würde sein Sieg die Demokraten zum Schweigen bringen, ebenso all jene unter seinen Anhängern, die ihm vorwerfen, Amerika in ein neues militärisches Abenteuer gestürzt zu haben. Sie sehen doch, würde er sagen, dass die Bewährungsprobe am Ende gar nicht so lange gedauert hat und dass sie sich gelohnt hat. Sie sehen doch, dass ich gegen alle recht behalten habe, würde er einhämmern, und zugleich würden, lange vor November, lange bevor die Wähler zu den Zwischenwahlen an die Urnen treten, die Preise an der Zapfsäule sinken, und die wirtschaftliche Verunsicherung würde in den Vereinigten Staaten wie im Rest der Welt zurückgehen.

Donald Trump würde wieder die Oberhand gewinnen und, innenpolitisch gestärkt, an mindestens fünf Fronten zur Offensive übergehen.

Wie im vergangenen Sommer würde er versuchen, die Ukrainer zu zwingen, jene Teile des Donbass an die Russen abzutreten, die diese beanspruchen, aber mit Waffengewalt nicht zu erobern vermochten. Donald Trump würde sich nicht in den Dienst des Friedens stellen, indem er den Abschluss eines Waffenstillstands entlang der Frontlinien erleichterte. Er würde den Ukrainern drohen, sie von den amerikanischen Geheimdienstinformationen abzuschneiden, um ihnen die Kapitulation aufzuzwingen, die der Kreml verlangt.

In dem, was zu einer Allianz würde, die uns Europäer in die Zange nähme, würde er so weitere Schritte auf den Kreml zugehen, weil er der Auffassung ist, die Union sei dazu geschaffen worden, wie er sagt, „die Vereinigten Staaten zu bescheißen“, und weil es seine fixe Idee ist, sie zu zerschlagen, indem er sie gegenüber Putin schwächt. Der eine sieht in der Union einen wirtschaftlichen und politischen Konkurrenten, den er nicht erstarken lassen darf. Der andere sieht in ihr ein Hindernis für die Wiederherstellung des Zarenreichs. Für beide muss die Ukraine diesen Krieg verlieren, damit die Vereinigten Staaten und Russland Europa unter sich in Einflusszonen aufteilen können.

Die zweite Front, die Donald Trump alsbald wieder eröffnen würde, wäre Grönland, dessen Annexion er keineswegs aufgegeben hat.

Seine bereits jetzt wiederaufgenommene dritte Front wäre die des Handelskriegs, den er gegen die Union führt, denn Europa soll in seinen Augen ein zersplitterter Markt sein und kein politischer Partner, mit dem man auf Augenhöhe verhandelt.

Viertens würde Donald Trump noch verbissener daran arbeiten, das Atlantische Bündnis zu zerstören, indem er es unglaubwürdig macht, um es Russland zu ermöglichen, seinen Druck auf Europa zu verstärken.

Was die fünfte Front betrifft, in die er sich hemmungslos stürzen würde, so wäre es jene der Gegengewalten der amerikanischen Demokratie, Presse und Justiz, die er mit noch größerer Wucht angreifen würde.

Herausforderungen für Europa und ein Rückschritt der amerikanischen Demokratie: Kurzum, von einem Sieg Donald Trumps im Iran wäre viel zu befürchten. Die Niederlage dieses Regimes ist nichtsdestoweniger lebenswichtig für 90 Millionen Iraner, für die nukleare Nichtverbreitung und für die Stabilität einer entscheidenden Region. Für uns Europäer kann es daher nicht darum gehen, Zuschauer zu bleiben. Es geht darum, uns auf die eine wie auf die andere dieser beiden Möglichkeiten vorzubereiten und dafür unsere Verteidigungsmittel weitaus schneller auszubauen, als wir es derzeit tun, unsere Bündnisse auf den fünf Kontinenten zu vervielfachen und uns endlich als politische Macht zu behaupten. Die Zeit drängt.

Bild: Niederlage des römischen Kaisers Valerian gegen den persischen König Schapur. Um 260 n. Chr. (Cabinet des Médailles, Bibliothèque nationale, Paris)

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